Kurzchronik des SV „Bayer. Rigi“ Hohenpeißenberg e.V.



Wie es zur damaligen Zeit üblich war, hatte die Gründung eines Schützenvereins den Sinn und Zweck des mehr oder weniger regelmäßigen Abhaltens von geselligen Veranstaltungen. Der erste Antrag „Zur Errichtung einer Schießstätte in Hetten“ wurde vom Königlichen Bezirksamt Schongau mit Schreiben Nr.1463 Titel VIII Ziff.8 vom 14. Mai 1877 abgelehnt. Unter Erfüllung gewisser Auflagen und einer „vorangängigen ortspolizeilichen Besichtigung“ stünde der Anlage einer Schießstätte allerdings nichts entgegen. Der heutige Schützenverein „Bayer.Rigi“ Hohenpeißenberg wurde aber erst lt. Bewilligung des Königlichen Bezirksamtes Schongau vom 08. Mai 1878 als „Zimmerstutzen-Schützenverein ’Bayer.Rigi‘ zu Hohenpeißenberg“ gegründet. Die Auflagen von 1877 waren nicht zu erfüllen, so dass der Verein seine erste Schießstätte auf dem Hohen Peißenberg – dem ‘Bayer.Rigi‘, wovon sich auch der Vereins-Beiname ableitet – im dortigen Berggasthof errichtete. Dort wurde von 1878-1962 geschossen. Vom Gründungsverein existieren lückenlose Aufzeichnungen des Vereinsgeschehens bis zur kriegsbedingten Zwangspause ab dem Jahre 1942. Von 1878 bis 1887 wurde nur ein Mitgliederverzeichnis geführt. Ab April 1887 existieren ausführliche Schießprotokolle. Das im Verein auch heute noch traditionelle Strohschießen wurde erstmals am 31.12.1887 erwähnt. Zudem wurden zu gegebenen Anlässen auch schon Ehren- und Hochzeitsscheiben ausgeschossen. Die erste Vereinsstatute datiert vom 18.11.1894. Das erste Protokollbuch, das das Vereinsgeschehen beschreibt, stammt aus dem Jahr 1898.

Zum 25-jährigen Stiftungsfest wurde am 24. Mai 1903 die erste Vereinsfahne feierlich geweiht. Aus diesem Anlass wurde ein Festzug unter dem Kommando des Schützenhauptmannes Knappich Georg zur Kirche abgehalten. Zur Weihe der ersten Vereinsfahne stifteten die Festjungfrauen eine Ehrenscheibe, auf der die Stifterinnen, die damalige Vorstandschaft und alle Vereinsmitglieder verewigt sind.

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Das erste Gauschießen des sogenannten Gaues 8 Schongau wurde ab dem 30.08.1924 in Hohenpeißenberg durchgeführt, mit einer Beteiligung von 68 Schützen. Erster Gauschützenkönig in der Geschichte des Gauschießens war der Einheimische Grabmeier Josef. Im Jahr 1928 feierte der Schützenverein sein 50-jähriges Gründungsjubiläum. Dieses Fest endete an den Pfingsttagen im Juni 1928 mit einer Jubiläumsfeier verbunden mit einem Festschießen. Wegen der ungünstigen Witterung wurde dieses Schießen hinausgeschoben und die Feierlichkeiten auf den zweiten Pfingsttag verlegt. Am Festschießen, das nur für Vereinsmitglieder zugänglich war, beteiligten sich 80 Schützen. Am Pfingstmontag wurde zum Kirchenzug Aufstellung genommen. Nach dem Marsch in die Kirche und dem Festgottesdienst gedachte man am Kriegerdenkmal der toten Kameraden. Beim anschließenden Frühschoppen in der „Sommerhalle“ wurde Greitner Ludwig für 50-jährige Vereinsmitgliedschaft und zugleich 50-jährige Tätigkeit als 1. Schützenmeister geehrt. Zu diesem 50-jährigen Gründungsjubiläum kamen unter anderem Glückwunschtelegramme von S.K.H. Prinz Alfons und dem Oberbayerischen Schützenverband. Im Jahr 1935 wurde in Hohenpeißenberg ein weiteres Gauschießen veranstaltet. Auch das letzte Gauschießen des Gaues Schongau – dem damaligen Unterkreis 8 im Gau Hochland – vor dem 2. Weltkrieg, das sogenannte 16. Unterkreisschießen, fand in der Zeit vom 13.-21.05.1939 wieder in Hohenpeißenberg statt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde 1951 wieder mit dem Schießsport begonnen. Die Neugründung des Schützengaues Schongau wurde am 04.03.1951 im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ in Schongau vollzogen. Während vorher mit Zimmerstutzen und Kleinkaliber geschossen wurde, waren danach ohne Genehmigung nur noch Druckluftwaffen erlaubt. Diese Tatsache entfachte eine heiße Diskussion und wurde sogar als Entehrung der Manneswürde bezeichnet. Man mußte jedoch erkennen, dass dem Luftgewehr eine zentrale Bedeutung beim Wiederaufbau des geliebten Schießsportes zukam, was letztlich auch dadurch belegt werden kann, dass sich die Druckluftwaffen bis heute durchgesetzt haben. „Am Stephanitag eröffnete der letzte Schützenmeister Greitner Otto die erste Generalversammlung des wieder ins Leben gerufenen alten Schützenvereins ’Bayer.Rigi‘. Die Versammlung übernahm die alten Mitglieder automatisch in den wiedererstandenen Verein. Die noch vorhandene, aber reparaturbedürftige Schützenfahne soll wieder instandgesetzt werden.“ Das erste Gauschießen in Hohenpeißenberg nach dem Krieg fand vom 22.-30.05.1954 auf dem Hohen Peißenberg in der „Greitner’schen Sommerhalle“ statt, mit einer Beteiligung von 357 Schützen. Ende des Jahres 1958 übernahm Habersetzer Heinrich, nach dem Tod von Greitner Otto, das Amt des  1. Schützenmeisters, das er bis zu seinem Tod im Jahre 1994 innehaben sollte. Unter der Amtszeit von Habersetzer wechselte das Vereinslokal im Jahr 1963 vom Berggasthof „Bayer.Rigi“ in den Gasthof „Hetten“, wo bis 1990 geschossen wurde. Das Gauschießen zum 85-jährigen Vereinsjubiläum fand vom 10.-18.08.1963 statt, mit einer Beteiligung von       insgesamt 364 Schützen. Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum fand das Gauschießen vom 25.08.-03.09.1978 wiederum in Hohenpeißenberg statt, wobei allerdings alle Mühen – bedingt durch das schlechte Wetter – nur mit insgesamt 538 Schützen belohnt wurden. Seit Ende 1988 ist der Schützenverein „Bayer.Rigi“ ein in das Vereinsregister des Landkreises eingetragener Verein.

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Im Rahmen der Planungen für das „Haus der Vereine“ wurde dem Schützenverein eingeräumt sich dort eine „eigene Heimat“ zu schaffen. Die geplanten 20 Schießstände waren allerdings in Eigenregie zu erstellen. Zahlreiche freiwillige Helfer setzten den ehrgeizigen Plan letztendlich in die Realität um. Am 03.03.1990 wurde das neue „Haus der Vereine“ feierlich eingeweiht, mit einer Schießanlage, die im Gau Schongau heute noch ein Maßstab ist und ohne die Tatkraft und den unermüdlichen Einsatz aller Helfer in dieser Form wohl nicht zustande gekommen wäre. Als ausgesprochen erfreulich ist zu werten, dass seit dem Bestehen der neuen Schießanlage der Zuspruch der Jugend zum Schießsport in erheblichem Maße zugenommen hat. Mittlerweile reichen auch die schießsportlichen Erfolge bis hin zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. Das letzte große Fest des Schützenvereins war die Durchführung des Gauschießens, anlässlich des 120-jährigen Vereinsjubiläums, vom   14.-31.08.1998, mit einer Beteiligung von insgesamt 961 Schützen. Am Festsonntag, dem 30.08.1998, wurde vormittags im Rahmen eines Feldgottesdienstes die neue Vereinsfahne feierlich geweiht. Höhepunkt an diesem Sonntag war aber der Festzug durch den Ort mit etwa 1200 Teilnehmern. Seit 2004 leitet Kuhn Gusti als erste weibliche Schützenmeisterin in diesem Verein die Geschicke der „Rigischützen“.